Eduard Boetius in Tondern


             Vortrag von Eduard Boetius, dem letzten noch lebenden Offizier des
                           Luftschiffes “Hindenburg” im ECCO-Center, Tonder


Ankündigungsplakat der Veranstaltung
                          Plakat zum Besuch von Eduard Boetius (26.05.2001)

 
Eintrittskarte
                            Eintrittskarte für die Veranstaltung im ECCO Center

Am 26.05.2001 besuchte der letzte, noch lebende Offizier, der die Hindenburg- Katastrophe am 06. Mai 1937 überlebt hat -der fast 92-jährige Eduard Boetius- auf Einladung der Museums-Freunde Tonder. Nach einem Besuch des Zeppelin- Museums bei dem auch die dänische Presse vor Ort war, folgte eine öffentliche Vortragsveranstaltung mit ca. 150 Teilnehmern im ECCO Center in Tonder. Hier berichtete Eduard Boetius über seine Zeit als Luftschiffer und über seine Erinnerungen an das miterlebte Hindenburg-Unglück.

Kürzlich hat der Sohn von Eduard Boetius, Henning Boetius, ein Buch veröffentlicht, welches in Romanform die Geschichte des Vaters beschreibt. Es trägt den Titel “Phoenix aus Asche”. Die Rechte sind bereits in mehrere Länder verkauft worden.

Besuch im Zeppelin-Museum

Gegen 13.00 Uhr traf Eduard Boetius im Museum ein. Nach der Begrüßung durch die Mitglieder der Zeppelin-Gruppe wurde er von Manfred Petersen, einem der Gründer der Zeppelin-Gruppe, durch das Museum geführt. Er war sehr beeindruckt von dem Ausgestellten, und es war interessant zu hören, was er aus der Zeit der Zeppeline zu berichten hatte. Auf den ausgestellten Fotos erkannte er viele Personen. Unter anderem auch Schiller, zu dem er früher auch einen persönlichen Kontakt pflegte.

Manfred im Gespräch mit Eduard Boetius
                        Eduard Boetius im Gespräch mit Manfred Petersen


             Eduard Boetius am Modell des Luftschiffhafens                   Eduard Boetius im Gespräch
             Eduard Boetius

             Führung durchs Museum                 Im ersten Stock
             Rundgang im Museum...

             Fachgespräch                 Eduard Boetius erzählt...

Ein Autogramm für eine Museumsbesucherin aus England...

             Gespräch mit einer weiteren Besucherin                 Ein Autogramm...
             Eine Besucherin                                            Ein Autogramm

Am Ende des Rundgangs im Museum folgte ein ca. 20 minütiges Interview durch das dänische Fernsehen. Hier wurde Eduard Boetius zu seinem Eintritt in das Luftschiffwesen und zu seinen Erinnerungen an die Hindenburg-Katastrophe befragt.

Vor fast genau 65 Jahren -im Mai 1936- war Eduard Boetius von der Deutschen Zeppelin Reederei eingestellt worden. Noch am ersten Tag fuhr er mit LZ 127 “Graf Zeppelin” in drei Stunden von Frankfurt nach Friedrichshafen, um dort dann an Bord des LZ 129 “Hindenburg” zu gehen und seine Ausbildung zum Luftschiffer anzutreten. Schon diese erste Fahrt weckte sofort seine Leidenschaft für die Luftschiffahrt und bestätigte ihm, daß seine Entscheidung richtig war. Hugo Eckener, der Chef der Deutschen Zeppelin Reederei, setzte auf seinen Luftschiffen immer einen Teil junger Luftschiffer ein, die das Handwerk während der Fahrten zu erlernen hatten. So durchlief auch Eduard Boetius auf der Hindenburg viele Stationen, um alle Tätigkeiten an Bord kennenzulernen. Auf diese Weise nahm er an vielen Südamerika- und Amerika-Fahrten teil.

LZ 129 in der Halle Friedrichshafen
                              LZ 129 in der Halle Friedrichshafen


LZ 129 am Ankermast
                              LZ 129 am Ankermast


Zur Luftschiffahrt war Eduard Boetius eher durch Zufall gekommen. Nach dem Abitur anfang der dreißiger Jahre hatte der 1910 auf der Insel Föhr geborene als Matrose in Hamburg angeheuert. Er arbeitete in der Kombüse und an Deck, zunächst auf einem Küstenmotorschiff, dann auf der Viermastbark “Peking”, mit der er sechs Mal Kap Horn umsegelte. Sie ist heute als Museumsschiff mit voller Takelage im Hafen von New York zu bewundern. Ein Modell der Peking steht heute auch in Eduard Boetius´ Wohnzimmer in Schülp bei Rendsburg. Nach der praktischen Ausbildung wurde er zur zweijährigen Navigationsschule nach Hamburg geschickt, um sein theoretisches Wissen über die Seefahrt zu vertiefen. Wie der Zufall es wollte, kam sein Nachbar auf der Schulbank, Gerd von Mensenkampff, von der Luftschiffahrt; er gehörte damals als Hospitant der Zeppelin Reederei an. Er sollte hier vor allem seine Kenntnisse über Wetterkunde und Navigation erweitern. Die beiden kamen ins Gespräch und Eduard Boetius begann sich immer mehr für die Luftschiffahrt zu interessieren. Auch die Verdienstmöglichkeiten schienen nicht schlecht zu sein. Nach einiger Zeit stand sein Entschluß fest: Er wollte auch Luftschiffer werden und bewarb sich bei der Deutschen Zeppelin Reederei. Er wurde genommen und im Frühjahr 1936 eingestellt.

Vortrag im ECCO Center, Tonder (ab ca. 15.00 Uhr)

Das ECCO Center ist eine Veranstaltungshalle der Firma ECCO Schuhe in Tonder. Die moderne Ausstattung und Einrichtung eignet sich sehr gut für Veranstaltungen dieser Art.

Das ECCO-Center in Tondern
                    Ecco Center in Tonder

Das ECCO-Center war sehr gut besucht. Es kamen ca. 150 interessierte Gäste aus Dänemark und Deutschland. Plakat und Eintrittskarten waren von Svend-Ulrik und Kim Orneborg, Mitgliedern der Zeppelin- Gruppe, gestaltet worden. Die Mühe, nicht zuletzt auch für das Aushängen der Plakate, hatte sich gelohnt. Alle Teilnehmer verfolgten einen interessanten Vortrag.

Besucher


Besucher

In der Pause gegen 16.30 Uhr gab es Kaffee und Kuchen. Einige Besucher nutzen die Gelegenheit für ein persönliches Gespräch mit Eduard Boetius oder um ein Autogramm von ihm zu bekommen. So wurden nicht wenige Eintrittskarten und Plakate von Eduard Boetius unterschrieben. Je ein Exemplar wird im Zeppelin-Museum in Tonder einen Ehrenplatz bekommen.

In der Pause


In der Pause konnte bei der Zeppelin-Gruppe Tonder Material über die Geschichte des Luftschiffhafens Tonder gekauft, sowie Plakate der Veranstaltung erstanden werden.

In der Pause


Mit Hilfe moderner Technik konnten die Erzählungen von Eduard Boetius mit Filmausschnitten und Bildern dem Publikum sehr nahe gebracht werden.

             Eduard Boetius                   Eduard Boetius erzählt...


             Eduard Boetius                   Eduard Boetius


Der Höhepunkt seiner Erzählungen war der Bericht über das Unglück des Luftschiffes LZ 129 “Hindenburg” am 06. Mai1937 in Lakehurst, New York:

Am frühen Abend des 06. Mai 1937 befand sich die “Hindenburg” im Anflug auf New YorkLZ 129 über New York.Eduard Boetius war auf dieser Fahrt für Navigation und Steuerung zuständig. Wie üblich wurde eine Runde um das Empire State Building gedreht, nachdem es dann in Richtung des Luftschiffhafens Lakehurst weiterging. Für die New Yorker Bevölkerung war es immer ein großes Ereignis, wenn die “silberne Zigarre” aus Deutschland am Himmel auftauchte. An diesem Tag wurde schlechtes Wetter vorhergesagt. Eine Gewitterfront näherte sich Lakehurst von Westen, so daß Kapitän Pruss zunächst Befehl gab, zur Küste abzudrehen, da eine Landung bei diesen Bedingungen nicht möglich war. Um 17.12 Uhr erhält er einen Funkspruch aus Lakehurst daß sich das Wetter gebessert hatte und eine Landung möglich war.

Eduard Boetius berichtet...Das Schiff machte kehrt und drang in die düsteren Gewitterwolken Richtung Lakehurst ein. Über dem Platz Lakehurst fiel leichter Regen. Wegen der etwas ungünstigen Wetterlage befahl Pruss erfahrene Offiziere an die Ruderanlage des Luftschiffes. So löste Eduard Boetius den Zellenpfleger Ludwig Felber am Höhenruder ab. Der wachfreie Teil der Mannschaft, der für die Landung nicht benötigt wurde, sammelte sich in den Messen. Je nach Lage des Schiffes bei der Landung, wurden dieser Teil der Mannschaft in Bug oder Heck befohlen, um dadurch die Trimmung zu korrigieren. An diesem Tag war die Hindenburg etwas hecklastig. So wurden einige Besatzungsmitglieder in den Bug des Schiffes befohlen. Bei ca. 80 m Höhe fielen die Landetaue. Die amerikanische Haltemannschaft stand am Boden bereit. Alles lief nach Plan, bis Eduard Boetius in ca. 60 m Höhe einen Ruck durch das Schiff verspürte. Aus der Führergondel konnte er nicht viel sehen; er bemerkte aber einen glutroten Schein am Himmel. Das das Schiff am Heck zu brennen begann, konnte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen.
LZ 129 brennt!!!Das Schiff sinkt schnell über das Heck bis zu einer Schräglage von ca. 45° ab. Krampfhaft klammerte er sich am Höhenruder fest. Alle anderen Besatzungsmitglieder und Gegen- stände fallen durch die Gondel, in der es aber keine Panik gab. Sie sehen Besatzungsmitglieder in die Tiefe stürzen. Es war der Teil der Mann- schaft, der zum Ausbalancieren in den Bug des Zeppelins geeilt war. Nach der Entzündung der Hindenburg war eine Stichflamme zum Bug des Luftschiffes geschossen, die die Besatzungsmitglieder einfach herausgeschleudert hatte. Aus 100 m Höhe stürzten sie in den Tod, auch Ludwig Felber, den Eduard Boetius kurz zuvor abgelöst hatte.... Da mußte etwas Schreckliches passiert sein.

LZb 129 stürtzt brennend abIndes sinkt der brennende Zeppelin weiter zu Boden. Die anderen in der Gondel nötigen Eduard Boetius zum  Herausspringen. Doch die Gondel ist noch zu hoch. Eduard Boetius wartet 32 Sekunden. Dann setzte die Hindenburg mit dem ausgefahrenen Landerad auf, sprang noch einmal hoch und blieb am Boden. Jetzt erst sprangen alle heraus. Dabei mußten sie aufpassen, sich nicht zu verletzten, denn die Höhe der Gondel betrug immer noch 2,5 m über dem Boden, und sie mußten zur richtigen Seite herausspringen, um sich so schnell wie möglich aus der Gefahrenzone entfernen zu können. Herausschlagende Flammen und herabfallende, brennende Zeppelinteile hätten sie verletzen können.
Mit Ziegler und einem weiteren Kollegen konnte er unverletzt dem Inferno entrinnen. Erst jetzt aus einiger Entfernung wurde allen das Ausmaß der Katastrophe klar. Sie sollten von Mitgliedern der amerikanischen Haltemannschaft in Sicherheit gebracht werden. Da sich aber noch hilflose, schreiende Menschen im brennenden Wrack befanden, liefen sie zurück, um zu helfen.

Verbrannt in nur 32 Sekunden!!!
                        In 32 Sekunden verbrennnt  LZ129 fast vollständig

So konnten sie noch einige Personen der Flammenhölle entreißen, bis die Struktur der Hindenburg in einem flammenden Inferno zusammenbrach. 35 Menschen fanden den Tod, davon 22 Besatzungsmitglieder. In nur 32 Sekunden war die “Hindenburg” verbrannt.

Die Überreste
                        Ausgebranntes Wrack der Hindenburg

Soldaten bewachen das Wrack
                                    Soldaten bewachen das Wrack


Am nächsten Tag hatten die überlebenden der Katastrophe die Möglichkeit das Wrack der Hindenburg zu untersuchen. Gegen Plünderung wurde es von amerikanischem Militär bewacht. Jeder suchte in dem Bereich des Wracks, wo er seine Unterkunft vermutete nach seiner Habe bzw. nach dem was davon übrig geblieben war. So fand Eduard Boetius einen der Mannschettenknöpfe wieder, die ihm sein Vater einst vermacht hatte. Bis auf eine leicht angeschmolzene Stelle hatte der Mannschettenknopf das Inferno überstanden. Der zweite war jedoch nicht mehr aufzufinden. Er hatte sie am Abend des Infernos nicht getragen, da er aufgrund des sehr warmen Wetters im kurzärmeligen Hemd an Bord Dienst tat. Bis heute trägt Eduard Boetius dieses Geschenk von seinem Vater als Erinnerung an das Inferno in seinem Portemonnaie immer bei sich...

Für die Rettung einiger Passagiere wurde Eduard Boetius nach der Rückkehr nach Deutschland die Rettungsmedaille verliehen. Die Urkunde mit der Originalunterschrift Adolf Hitlers besitzt er noch heute.

Als Dank und zur Erinnerung an diesen Tag wurde Eduard Boetius von Manfred Petersen ein Modell des Luftschiffes Hindenburg überreicht. Es wird einen Ehrenplatz in seinem Wohnzimmer bekommen.

                 Übergabe eines Modells von LZ 129 durch Manfred Petersen             Übergabe eines Modells von LZ 129 durch Manfred Petersen
                                             Manfred Petersen überreicht das Modell

Als ganz perönliche Erinnerung an diesen Tag konnte die Zeppelin-Gruppe Tonder ein Foto mit Eduard Boetius in ihrer Mitte machen:

Zepplelin-Gruppe mit Eduard Boetius in ihrer Mitte
                          Eduard Boetius im Kreise der Zeppelin-Gruppe Tondern

Das Hindenburg-Unglück wurde in den USA untersucht. Es gibt verschiedene Theorien für die Ursache des Unglücks: Sabotage, Blitzeinschlag, elektrostatische Entladung, usw, doch bis heute konnte nicht eindeutig belegt werden, wie es zu dieser Katastrophe kam. Die Ursache wird wohl nie aufgeklärt werden. Einige mögliche Erklärungen findet man
hier. Sie bedeutete aber das Ende der zivilen Luftschiffahrt in Deutschland. Die noch existierenden Zeppeline LZ 127 Graf Zeppelin und LZ 130 “Graf Zeppelin II” wurden später während des Krieges auf Befehl Görings abgerüstet, das Aluminium zu Bau von Flugzeugen verwendet sowie die Luftschiffhallen in Frankfurt gesprengt. Auch die begonnenen Bauarbeiten an LZ 131, der über einen Gasinhalt von 223.000 m3 verfügen sollte, wurden eingestellt.

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Zeppelin

Stand: Juni 2001