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Die Tragödie
Am 31. Januar, kurz nach 12.00 Uhr mittags, verließen die Zeppeline mit Kurs Südwest Tondern. Bereits nach wenigen Kilometern gerieten sie über der Nordsee in dichten Nebel und starkes Unwetter. Regen und Schnee vereisten die Schiffe. Diese sehr ungünstigen Wetterverhältnisse erschwerten die Angriffsbedingungen und führten bei fast allen neun beteiligten Luftschiffen zu Motorstörungen an den Maybach HSLu-Motoren. L20 konnte nur eine Höhe von 2000 m halten, griff Loughborough und Burton-on-Trent an und kehrte am nächsten Tag wohlbehalten nach Tondern zurück.. L19 erreichte um 19.20 Uhr die Küste bei Sheringham. Trotz der Anfälligkeit der Motoren, wollte Kptlt. Loewe den Angriff auch auf Liverpool fortsetzen. Nach englischen Darstellungen soll L19 nach der Bombardierung von Burton-on-Trent bald nach Mitternacht zwischen Birmingham und Wolverhampton seine Bomben auf erkennbare Industrieanlagen abgeworfen haben. Von England aus beobachtete, wiederholte Schleifenfahrten und unverständliche Kursänderungen lassen auf Störungen am Kompass und auf Motorenausfälle schließen. Sonst ließe sich der fast zehnstündige Aufenthalt über England kaum erklären. Wie Loewe später berichtete, waren bei L19 zeitweise sogar drei der vier Motoren ausgefallen. Als Folge davon auch die Funkanlage, sonst hätte der Kommandant nicht erst um 3.53 Uhr um Peilwerte gebeten. Die Peilstationen in Nordholz und Brügge ermittelten eine Position zwischen Norwich und King´s Lynn. Um 5.37 Uhr meldete der Kommandant seinen Angriffsbericht. Als L19 um 14.00 Uhr -alle anderen an dem Angriff beteiligten Schiffe lagen zu diesem Zeitpunkt bereits wieder in ihren Hallen- noch nicht zurück war, forderte man Hilfe beim Kommando der Hochseeflotte an. Als Torpedoboote ausliefen, erreichte ein Funkspruch gegen 16.20 Uhr Nordholz: “FT-Anlage war unklar, zeitweise 3 Motoren unklar, Standort etwa Borkum, Wind ungünstig. L19” Durch Funkpeilungen wurde festgestellt, daß sich L19 nicht -wie von der Besatzung angenommen- über Borkum sondern ca. 22 sm nördlich der holländischen Insel Ameland befand. Diese Positionsbestimmung wurde dem Kommandanten unmittelbar mitgeteilt. Aufgrund der Meldung von L19, die offenbar eine Gefährdung ausschloß, sowie der brauchbaren Witterungsverhältnisse für eine Rückkehr, wurden die Torpedoboote zurückbeordert. Als bis Mitternacht keine weitere Nachricht von L19 eintraf, wurde erneut Hilfe bei der Hochseeflotte angefordert. Die Suche nach L19 blieb aber erfolglos. Am Morgen des 2. Februar 1916 fischten Zerstörer etwa 12 sm nördlich von Borkum einen Benzintank des L19 aus dem Wasser. Am gleichen Tag erfuhr das Flottenkommando, daß der tieffliegende L19 nachmittags bei unsichtigem, nebligem Wetter über Ameland in heftiges Gewehrfeuer, welches die Gaszellen stark beschädigt haben mußte, geraten war. L19 wurde manövrierunfähig und durch den auffrischenden Wind weit auf die Nordsee hinausgetrieben. Am 3. Februar fing die deutsche Heeresfunkstelle bei Lille eine Meldung auf, aus der hervorging, daß ein englischer Fischdampfer das Wrack der L19 mit zahlreichen Überlebenden 110 Seemeilen östlich von Flameborough Head gesichtet hatte. Offenbar war L19 nach der Beschießung über Ameland auf die Nordsee gedrückt worden. Nach ein Paar Tagen meldeten englische Zeitungen, daß der Kapitän des Fischdampfers “King Stephen” aus Grimsby, William Martin, mit der Besatzung, die sich auf den First des Luftschiffes retten konnte, gesprochen hatte. Eine Rettung hatte er aber abgelehnt, da er befürchtet hatte, er und seine 9 Mann hätten von der Zeppelin-Besatzung überwältigt werden können. Im Morgengrauen des 2. Februar 1916 hatte er den Havarieort verlassen. Stunden später ertrank die Besatzung beim Untergang des Luftschiffes in den eisigen Fluten der Nordsee. Der Untergang von L19 ist immer wieder von verschiedenen Marinemalern festgehalten worden. Einige Werke, die einen möglichen Ablauf des tragischen Geschehens zeigen, sind hier wiedergegeben.
Das Ende von L 19 nach einem Gemälde von Adolf Bock. Wo sich das Original heute befindet, ist derzeit nicht bekannt.
Das Ende von L19 nach einem Foto aus dem Buch von Thor Goote, “Peter Strasser - der F. d. L.(Führer der Luftschiffe)”. Der Maler und der Ort an dem sich das Original heute befindet sind nicht bekannt. Der letzte Mann: Auch auf Postkarten wurde das tragische Ende der Besatzung von L19 festgehalten (Ausschnitt aus einem Gemälde?).
Eine französische Postkarte (mit einem Spruch von Maurice Neumont)
Eine andere Postkarte gab den Vorfall sehr plastisch wieder. Der Maler und der Ort an dem sich das Original heute befindet sind nicht bekannt.
Diese kürzlich aufgefundene Karte, die ebenfalls das tragische Ende von L19 zeigt, trägt auf der Rückseite ein Gedicht, welches die Tragödie beschreibt: Durch Gischt und Schaum auf den Wellen hin Da treibt im Nordmeer ein Zeppelin. Zur Spähe flog er mit keckem Mut, Es riß ihn nieder in Sturm und Wut. Schon sank die Gondel, die Hülle kaum Beut der Besatzung noch Halt und Raum. Die Hülle, sie saugt sich voll und schwer, Sie schreien hinaus ins wilde Meer: Zu Hilfe, zu Hilfe in letzter Not!! Da naht "King Stephen" und schickt ein Boot. Ein englisches Schiff "Kind Stephen" ist, Das englischer Ehre wohl nicht vergißt. Es schickt ein Boot zu dem Luftwrack aus. Sie jauchzen dort auf im Sturmgebraus. Gerettet! Endlich in letzter Not!! Vom wackern Feinde. - Da - wendet das Boot. - ! "Seid Eurer zu viel!" so klingst`s voll Hohn. Und Schiff und Boot, sie fahren davon. - - Die Hülle, sie saugt sich voll und schwer Und langsam sinkt sie hinab ins Meer. Und über die opfersatte Flut Gellt noch ein heiserer Schrei der Wut. Was ihr gelitten, ihr Brüder mein, Getäuscht, verspottet in Todespein, Das hat ein Höh´rer sich wohl gebucht, "King Stephen" aber, du bis verflucht! W. v. Ostini im Felde Als diese unterlassene Hilfeleistung -der Bischof von London verteidigte diese Handlungsweise Martins offiziell- an die Öffentlichkeit drang, war die allgemeine Entrüstung auf deutscher, aber auch auf englischer Seite groß. Die Besatzung des L19 mußte in diesem Falle als in Not geratene Seeleute angesehen werden. Hier bestand eine internationale Pflicht zur Hilfeleistung. Monatelang beschäftigte diese Tragödie die Presse. Kapitän und Schiff wurden geächtet und von der Deutschen Marine gesucht. Bereits am 23. April 1916 wurde die King Stephen vom Torpedoboot G41 aufgebracht, während die Hochseeflotte Great Yarmouth beschoß. Die Besatzung, die bestritt zum Zeitpunkt der Verweigerung der Hilfeleistung an Bord gewesen zu sein, wurde gefangen genommen; der Fischdampfer versenkt. Ein Rettungsring und die Hoheitsflagge befinden sich heute im Aeronauticum in Nordholz. Eine Flaschenpost, die im August 1916 -sechs Monate nach dem Unglück- an der schwedischen Kattegatküste nahe Göteborg angetrieben wurde, enthielt den letzten Bericht des Kommandanten Odo Loewe an seine Vorgesetzten und die letzten Grüße der Besatzung an ihre Angehörigen. In einem der Briefe wurde der Fischdampfer beim Namen genannt: “King Stephen” aus Grimsby. Diese sind hier wiedergegeben. Wo sich die Originale heute befinden ist derzeit nicht bekannt. Die Briefe
Der Kommandant, Kapitänleutnant L o e w e, an seine Vorgesetzten: “Mit fünfzehn Mann auf der Plattform und dem First des in etwa 3°Ost schwimmenden Körpers des L19 versuche ich eine letzte Berichterstattung. Dreifache Motorhavarie, leichter Gegenwind auf der Rückfahrt verspäteten die Rückkehr und brachten mich in Nebel, dieser nach Holland, wo ich erhebliches Gewehrfeuer erhielt, es wurde schwer, gleichzeitig drei Motorpannen. Am 2. Februar 1916 nachmittags, etwa ein Uhr - ist wohl die letzte Stunde. Loewe”
Der Obermaschinenmaat Georg B a u m a n n hat eine weitere Nachricht an seine Familie seiner Thermosflasche anvertraut, die nach Monatsfrist von einem schwedischen Schiff aufgefischt wurde: “Liebe Grete und Kinder! Befinde mich augenblicklich in großer Gefahr, bin mit unserem Schiff ins Meer gefallen. Liebe Grete! Bis zur letzten Stunde auf Rettung hoffend, ist es anders bestimmt, nun, so ist es Gottes Wille. Getreu bis in den Tod, grüßt und küßt Dich und die Kinder herzlichst Dein treuer Georg”
Erinnerungen Nach dem Kriege schuf der Luftschiffer Obermatrose Oskar Kirschner ein Relief aus Gips (80 x 54 cm) zur Erinnerung an die Havarie des L19 und den Heldentod seiner Kameraden. Es zeigt L19 über der Nordsee im Reigen mit den Göttern. Die unten abgebildete Ansichtskarte beschreibt die Szene, darunter ein Bild des Reliefs. Der Erlös aus dem Verkauf dieses Reliefs kam den Hinterbliebenen zu Gute. Eines dieser Reliefs befindet sich heute im Zeppelin-Museum in Tondern.
Am 23. April 1916 wurde der englische Fischdampfer “King Stephen” vom Deutschen Torpedoboot G41 aufgebracht, die Besatzung gefangen gesetzt und der Fischdampfer versenkt. Einer der Rettungsringe und die Hoheitsflagge befinden sich heute im Aeronauticum in Nordholz. Dort ist auch ein Modell zu sehen, daß die Tragödie von L19 zeigt. Literatur: Norbert von Baumbach: “Ruhmestage Der Deutschen Marine”, 1933, Verlagsbuchhandlung Broschek & Co., Hamburg
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